Willkommen im Kartoffelland

Es gab einst ein Land namens Kartoffelland. Die Kartoffeln waren so fleißig, dass dieses Land wunderschön war und in seiner Blüte stand. Und weil die kleinen Bratkartoffeln und Reibekuchen so freundlich und herzensgut waren, sagten sie: „Wir haben mehr als wir brauchen, lasst uns teilen mit denen, die nichts haben“. So kamen die ganzen kleinen Senfgurken, eingelegten Knobläuche und auch ein paar Chilis. Unter den Besuchern war auch ein kleiner Kartoffelkobold. Er war selbst keine Kartoffel. Und er kam aus einem Land weit, weit her, wo Kartoffelkobolde kein schönes Leben haben. Aber die Kartoffeln waren so großzügig und sagten: „Hier kleiner Kartoffelkobold, wir ermöglichen Dir bei uns ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Du sollst keine Not leiden. Wir behandeln Dich wie einen von uns“.

Aber dem Kartoffelkobold passte das alles irgendwie nicht. Er wollte nicht gleich sein. Er wollte besser sein. Er wollte eine Prinzessin werden und von den Kartoffeln gefeiert werden. Aber er war nicht besonders angenehm anzusehen oder hatte gar irgendwelche charakterlichen Vorzüge. Er war nicht lustig, er war nicht talentiert und er hatte auch keine sanfte, weibliche Art. Und deswegen fand er keinen Prinzen, der ihn heiraten wollte. Und das verärgerte den Kartoffelkobold noch mehr. Die Kartoffeln sollten ihn gefälligst lieben. Sauer wie ein kleines Kind stampfte er auf den Boden.

Poesie und Größenwahn

Auch sonst konnte er wenig konstruktives zum Kartoffelland beisteuern. Er war weder besonders fleißig, noch besonders schlau, noch hatte er Ideen, die das Kartoffelland verbessert hätten. Kurzum, er hatte nichts Bereicherndes zu bieten. Und trotzdem ermöglichten die Kartoffeln ihrem Besucher ein Leben auf ihrem Standard. Kein Ding!

Aber anstatt dankbar über die Gastfreundschaft der Kartoffeln zu sein, wuchs sein Hass. Sein Ehrgeiz machte ihn blind vor Raserei. Er wollte etwas Besseres sein, als die Kartoffeln. Und so erklärte er sich dann zu einem berühmten Kartoffeldichter, wie der mehlige Goethe oder der festkochende Schiller. Aber seine Versuche waren bedauerlicherweise, nunja ein wenig unbeholfen. Seine Kartoffelfreunde lobten ihn zwar für sein „großes poetisches Talent“ („mal was anderes“) und tätschelten seinen Kopf. Aber insgeheim schämten sie sich für ihn und er tat ihnen leid, weil sie wussten, dass er nur Spott und Gelächter ernten würde. Und sie fragten sich, woher sein Hass und Größenwahn kam? Gaben ihm die Kartoffeln nicht alles was sie hatten, nur um dem Kobold ein schönes Leben zu bereiten?

Und so stieg der kleine Kartoffelkobold nicht auf in den Himmel der großen Dichter. Aber statt ein wenig Selbstkritik zu üben, wies er die Schuld für seinen ausbleibenden Erfolg weit von sich. Schuld hat das toxische Kartoffelpatriarcht, welches ihn in seiner Phantasie unterdrückte und daran hinderte reich und berühmt zu werden und einen tollen Prinz zu finden, der ihn heiratet.

 

Postmoderne und naive Bauernmalerei

Also ersann er einen Plan. Wenn die Kartoffeln ihm, dem „großen“ Kartoffelkobold, schon keinen Thron wegen Schönheit oder einem angenehmen Charakter bauen wollten, dann würde er eben den Thron der Postmoderne besteigen. Wo Hässlichkeit zur Kunst erhoben wird, Dilettantismus zum Genie und Degeneration zum Fortschritt verklärt wird. Und so begann er den „ignoranten“ Kartoffeln jeden Tag seine aparte Interpretation von „Genie“ und „Schönheit“ ins Gesicht reiben. Er bediente sich der naiven Bauernmalerei und malte sich die Augen gelb. Er zog sich einen Ring durch die Nase wie ein wildernder Ochse auf der Weide. Und er frisierte sich die Haare, wie der kleine Raketenmann aus Nordkorea, dem er auch physiognomisch zum Verwechseln ähnlich sah. Und er trug bizarre Kleider. Mal verkleidete er sich wie ein kleiner pubertierender Gangsterjunge, mal wie ein Maikäfer im Ballkleid, mal wie die Karikatur einer feministischen Gothic-Katzenfrau. Auffallen um jeden Preis.

Hätte sie mal auf ihre Mutter gehört. Und nicht nur bei den Frisurtips.

Und um dem noch eins draufzusetzen, ließ er in ganz Kartoffelland Videos von sich verbreiten, in welchen er unbeholfen im Schwimmbad planscht, wie ein zartes gestrandetes Walross mit zu kurzen Flossen. Er dachte sich lustige Geschichten aus, dass er sein Geschlecht nach Wassertemperatur ändern könnte, wie eine kleine Auster.

„Beatiful x Powerful“? Die Kartoffeln lachten und schüttelten sich über soviel Selbstbetrug, aber weil sie so lieb und tolerant waren, ließen sie ihn machen. Ein jeder sollte im Kartoffelland nach seiner Fa­çon glücklich werden, auch die Besucher voller Hass, wie der Kartoffelkobold.

 

Das ultrabrutale Kartoffelmassaker

Aber das reichte dem Kartoffelkobold noch nicht. Nun war er richtig in Rage. Er wollte die Kartoffeln tot sehen. Er wollte sie von innen vergiften. Und so fing er an, sein Verbalgift zu spritzen. Erst nur in kleinen Dosen. Weil er kein Poet war, eben im Rahmen seiner Möglichkeiten. Stattdessen redete er nun wie die präpubertierenden Jungs, die so gerne Gangster wären. Ein vulgärer Gossenjargon sollte den Kartoffeln zeigen, wie hart und wie tough der Kobold doch ist und das man ihn fürchten müsste. Aber die meisten Kartoffeln ignorierten ihn einfach und jene die es sahen, schämten und gruselten sich, vor so viel peinlicher Infantilität. Und das machte den Kobold noch viel saurer.

Nicht nur cool, sondern auch ziemlich „edgy“.

Also schloss er sich einer Bewegung von Giftspritzern an. Die Anti-Kartoffeln. Diese hassten gemeinsam das Kartoffelland, genau wie der kleine Kartoffelkobold auch. Und sie gaben ihm ein Podest, von dem er sein Gift mit einem großen Schlauch mitten in die Kartoffelgesellschaft pumpen konnte. Also schrieb er Artikel über Bücher, die er nicht gelesen hatte und tadelte die „wortwörtliche Dreckskultur“ der Kartoffeln. Leider hatte ihm niemals eine Kartoffel erklärt, was das Wort „wortwörtlich“ bedeutet und so war es natürlich sehr peinlich für den Kobold, der doch eigentlich ein berühmter Poet sein wollte. Und so spritzte er weiter sein Gift und versuchte, den etwas dümmeren Kartoffeln klarzumachen, dass es doch eine „Win-Win-Situation“ sei, sich eine Gabel ins Auge zu rammen.

Armer Kobold. Warum hasst Du die Kartoffeln so sehr, dass Du sie tot sehen willst? Haben sie Dir nicht alles gegeben?

Und dem Kartoffelland ging es tatsächlich immer schlechter. Die Giftspritzerkobolde hatten sich mit den globalen Herbizidkönigen zusammengetan, um zusammen die Nährstoffe aus dem Boden im Kartoffelland zu saugen und die Setzlinge zu vergiften. Die Ernten wurden schlechter, die Kartoffeln weniger. Der Kartoffelkobold jauchzte auf. Seine Rechnung schien aufzugehen. Vergessen war die Gastfreundschaft. Vergessen war die sorgenfreie Zeit, welche die Kartoffeln dem kleinen talentlosen Kobold ermöglichten. Vergessen das tolle Leben auf Kosten der Kartoffeln.

Der Kobold wollte die Kartoffeln tot sehen. Und dann wollte er auf ihr Grab urinieren und drauf tanzen.

Ein trauriger kleiner Kobold.

Wie soll das erstmal werden, wenn er wieder zuhause ist?

 

 

 

Folge der D-Generation Fiktion-KI: @dgenfikbot

Bildquellen:

  • Potatoe-Murder (Header und Text) – Public Domain – Max Pixel
  • Zitate: Twitter

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